Einweihung des (alten) Ehrenmals auf dem Friedhof Niederbrechen am 15.08.1959

Kriegerehrenmal

1952 mußte das in der Einmündung Langgasse zur Bundesstraße 8 stehende Kriegerehrenmal, errichtet zu Ehren der Gefallenen des Krieges 1870/71, dem Verkehr weichen.
Die Gemeindevertretung beschloß daher auf dem oberen Teil des neuen Friedhofes ein Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege 1870/71, 1914-1918, 1939-1945 und aller durch Kriegseinwirkungen ums Leben gekommener zu errichten.
Entwurf und Gesamtleitung wurde Herrn Kiefer, Limburg, übertragen.
Die Maurerarbeiten führte Franz Josef Schneider durch.
Die Anbringung des Bildmosaiks oblag Herrn Theo Jung.
Herr Adam Kramm fertigte die Namenstafeln an und Herr Christian Kremer den Gedenkstein inmitten des Ehrenmales.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 22.000,00 DM, wovon 6.000,00 DM durch eine Sammlung, ausgeführt von Herren der Gemeindekörperschaften und des Verschönerungsvereins, aufgebracht wurden.
Am 15. August 1959 fand eine eindrucksvolle Einweihungsfeier statt.
Alle ortsansässigen Vereine, die Schule usw. trugen zur Ausgestaltung bei.
Außer der Geistlichkeit, den Gemeindekörperschaften, den ortsansässigen Vereinen mit ihren Fahnen, welche im geschlossenen Zug vom Rathaus zum Friedhof zogen, beteiligte sich die Bevölkerung recht zahlreich.
Pfarrer Bernhardt erläuterte in kurzgefaßten einprägsamen Worten die tiefere Bedeutung des Ehrenmales, während Bürgermeister Runte den Sinn der Feierstunde darlegte.
Am Schluß der Feier wurden durch die Ortsvereine Kränze zu Ehren der Gefallenen niedergelegt.

Einladung

Der Bürgermeister                                                     Niederbrechen, den 12. August 1959

 

Einladung zur Weihe des Kriegerehrenmales am Samstag, den 15. August 1959,10.00 Uhr

 

Hiermit lade ich die gesamte Bürgerschaft zur Einweihung des Kriegerehrenmales am Samstag, 15. August 1959, vormittags 10 Uhr herzlich ein.

Um jeden mit den Feierlichkeiten vertraut zu machen, ist im unteren Teil dieser Seite die. Programmfolge dargelegt.

Auf der Rückseite finden Sie eine knappe Sinndeutung des erstellten Ehrenmales.

Ich bitte auf Grund dieses besonderer Anlasses um eine starke Beteiligung der Bevölkerung.

Unterschrift Runte (Bürgermeister)

 

Programmfolge für die Einweihung des Krieger-Ehrenmales Niederbrechen, am 15.August. 1959, 10.00 Uhr

1.         10.00 Uhr Aufstellung am Rathaus   (Reihenfolge)

a) Spielmannszug, Musikkapelle

b) Kinder (5 letzte Schuljahrgänge)

c) Alle Fahnen der Ortsvereine

d) Hochw. Herr Pfarrer

e) Kranzträger

f) Herren der Gemeindevertretung u. des Kirchenvorstandes

g) Abordnung der Feuerwehr (Rest der Feuerwehr leistet Absperrdienst an Straßen und auf dem Friedhof)

h) Gesangvereine (nach Stimmen geordnet)

i) Alle anderen Ortsvereine und Einwohner, die sich anschließen.

2.         Gang zum Friedhof

Musikkapelle spielt bis Friedrichstr.-Ecke Friedhofsweg, dann läutet die Gefallenenglocke, bis die Spitze des Zuges das Ehrenmal erreicht hat.

3.         Vortragsfolge am Ehrenmal

a) Musikkapelle

b) Prolog (Der tote Soldat)

c) Gesangvortrag beider Chöre (Motette)

d) Begrüßung und Ansprache

e) Gesangvortrag beider Chöre (Heilig, heilig)

f) Weihe des Ehrenmales durch den Hochw. Herrn Pfarrer

g) Musikkapelle: "Ich hatt‘ einen Kameraden"

(Während dieses Liedes legen die Ortsvereine Kränze nieder.)

4.         Als Abschluß:

a) Übernahme des Ehrenmales in die Obhut der Gemeinde

b) Musik u. Spielmannszug gemeinsam: "Niederl. Dankgebet“

c) Gemeinsamer Gang der Teilnehmer vom Friedhof bis zum Schwesternhaus.

Sinndeutung des Ehrenmals

In dem Mosaikbild, das den Mittelpunkt der Gedenkstätte bildet, sind die Menschen dargestellt, die die Not und das Leid des Krieges getragen haben und noch tragen. Diese Menschen aber, Sinnbilder für alle Leidtragenden, sind auf dem Wege aus dem Dunkel in das Licht der Glorie.
Inmitten des Lichtes steht Christus. Segnend breitet er die Hände aus für alle Heranschreitenden.
Auf der linken Bildseite tragen zwei Soldaten ihren gefallenen Kameraden. Im Opfertod hat sich sein Leben vollendet.
Der Verwundete, seines Augenlichtes beraubt, sucht mit unsicherem Schritt und mit hilfloser Gebärde der. Hände seinen Weg. Aber er ist nicht allein. Fürsorglich, mitempfindend umfaßt ihn ein Kamerad und führt den in sein Leid Ergebenen dem Lichte entgegen.
Müde, zermürbt von jahrelangem Heimweh, folgt der Heimkehrer.
Zu schwer war die leibliche und noch schwerer die seelische Not. Er geht einen langen, weiten Weg. Aber schon haben die ersten lichten Strahlen auch ihn erreicht.
Und noch immer warten viele auf den Tag der Heimkehr. Abgezehrt und ärmlich bekleidet sitzt der Gefangene da, und er schreit seine Not, seine Sehnsucht in die Welt hinaus.
Am linken Bildrande kauert, ganz in sich zusammengesunken, eine Gestalt, das Gesicht ganz in der Hand vergraben: der Vermißte. Es ist ein Sinnbild für alle die Ungezählten, die im Ungewissen ihr Leben beschließen oder schon beschlossen haben. Ungewiß ist aber nicht die Sinnerfüllung ihres menschlich so leidvollen Daseins: auch über ihrem Leben steht das Zeichen der Erlösung.
Auf der rechten Bildseite kniet unmittelbar vor dem Auferstandenen die junge Mutter, die ihren Gefährten verlor, mit ihrem Kinde. Ihr Gesicht ist ganz dem Herrn zugewendet, aus ihrer Haltung spricht Zuversicht und der Wille aller Mütter, die heranwachsende Generation nicht zum Haß, nicht zur Gewalt, sondern zum Frieden zu führen.
In den beiden gebeugten Gestalten sind die trauernden Eltern verkörpert. Wer ermißt das namenlose Leid der Mütter um ihre gefallenen Söhne? - Tröstend umfängt der Vater die Gefährtin, und über die Linien seiner Arme und Schultern wandert der Blick wieder zurück zur Bildmitte. (Hier sei ein Wort erlaubt zur technischen und künstlerischen Form des Bildes. Alle Linien mußten streng geführt und in hartem Glas geschnitten werden. Jede Linie des Bildes dient der Gesamtkomposition; sie bringt alle Figuren in eine straffe Bindung und Beziehung zur Mitte. Die überlebensgroße Christusgestalt mit der ihr zugeordneten Figuren-Komposition soll - auch nach dem Sinne der Bildaussage - der Mittelpunkt des ganzen Friedhofes sein.)
Die folgende Figurengruppe stellt Flüchtlinge dar. Auch sie haben das Leid des Krieges erfahren, haben alles verloren und sind nun auf dem Wege zur neuen Heimat.
Den Schrecken des Bombenkrieges symbolisiert die am rechten Bildrande kniende Frauengestalt, abwehrend das Unheil, das über die Heimat hereinbrach, und das auf‘s Neue und schlimmer uns bedroht. -
Zum Herrn tragen alle Gestalten ihre Not, und zu Ihm dringt das weltweite Bittgebet der Menschheit: Gib uns den Frieden!
DONA NOBIS PACEM!
Josef Kiefer

(Quelle: Gemeindearchiv Brechen/Mappe von Heinrich Runte, erstellt ca. 1958-1962)

 

zurück