Ein wenig im Schatten ihrer größeren Schwestern steht die Schultheißenkapelle in der Dorfmitte, am Denkmalsplatz in unmittelbare Nähe des Pfarrhauses, die einzige Kapelle, die sich seit jeher in Privatbesitz befindet. Schon 1693 wird sie im Zusammenhang mit Grasgärten in der Zahlbach und der Straße „beym heyligen Hauß“ genannt. Historiker setzen dieses „heylige Hauß“ mit einem 1590 erwähnten Heilgenhaus gleich. An dieser Stelle außerhalb des Dorfes soll sich einst eine Rastmöglichkeit für Reisende auf der Hohen Straße und später auf der jüngeren Talstraße befunden haben, ein sogenanntes Bierhaus, wie Pfarrer Brinkmann von den Eigentümern des Anwesens mit der Kapelle erfahren hatte. Hier hätten die Reisenden übernachten und wohl auch die Pferde wechseln können. Obwohl das kleine Heiligtum bereits 1786 als „Schulthißenkapelle“ Erwähnung fand, wurde ihr Altar jedoch noch 1807/1814 als Altar an Biermanns Haus bezeichnet. Um diese Zeit war es auch der dritte Altar der Fronleichnamsprozession.
Der heutige Bau ist sicher erst nach dem 30-jährigen Krieg entstanden. In der Denkmaltopographie für Hessen wird von seinem malerischen alten Zustand mit Satteldach, einem Türmchen und interessanten Details geschwärmt. Diese wurde jedoch in den 1960er Jahren abgetragen. Interessanterweise verfügt die Kapelle über ein Obergeschoss, das, so vermutete Pfarrer Brinkmann, möglicherweise als Schlafkammer für Fuhr- oder Kaufleute diente und später als Getreidelager genutzt wurde. Ein gemaltes Bild vom Ende des 17. Jahrhunderts auf dem Altar im Inneren der Kapelle zeigt Maria als Himmelskönigin mit dem Jesuskind, das die Weltkugel trägt. Noch bis um 1960 stand dort noch eine barocke Pieta, die eine Nachahmung des Schwickershausener Gnadenbilds sein könnte. Bei der Fronleichnamsprozession wurde, wie Pfarrer Brinkmann berichtete, diese Pieta in die dann offene Kapelle gestellt.
(Text und Bilder aus: Ursula Königstein: „Sollen alle Knie sich beugen“, S. 24-25)