Dienstag, 12. Mai 1953:
Auf dem Bahndamm zwischen Niederselters und Oberbrechen, am Kilometerstein 56 (Walddistrikt Stein), waren Kolonnenarbeiter mit Gleisarbeiten beschäftigt. Nachdem gegen 7.30 Uhr der Schnellzug Limburg-Frankfurt die Arbeitsstelle passiert hatte, trat auf dieser Strecke eine etwa zweieinhalbstündige Zugpause ein. Der Rottenführer verließ sich auf diese Pause und wollte eine Schiene auswechseln lassen.
Als dies geschehen war, kam gegen 8.00 Uhr mit etwa 70 Stundenkilometer überraschend eine Lokomotive ohne Tender, aber mit einem Tunnelprüfungswagen aus Richtung Limburg, der nach Eppstein unterwegs war, wo der Messwagen die Profile zweier Tunnels ausmessen sollte.
Die Arbeiter gaben Haltezeichen und winkten, konnten aber den herannahenden Zug nicht mehr zum Halten bringen.
Lokomotive und Tunnelwagen entgleisten und stürzten, sich überschlagend, nach der Waldseite den etwa 7 Meter hohen Bahndamm hinunter und rissen ein etwa 20 Meter langes Schienenstück mit; zahlreiche Bäume im Umkreis wurden zersplittert oder glatt abgebrochen.
Der 38-jährige Lokomotivführer aus Limburg wurde aus der Maschine geschleudert, geriet unter die Lokomotive und konnte nach stundenlangen Bergungsarbeiten nur noch tot geborgen werden, er hinterließ eine Frau und eine neunjährige Tochter. Zwei weitere Schwerverletzte wurden ins Limburger St. Vincenz-Hospital eingeliefert.
Ein Bergungszug aus Frankfurt kam mit einem 65 Tonnen schweren Kran, der nicht ausreichte, die 90 Tonnen schwere Lok aus dem Bach hochzuheben. Deshalb wurde der zur damaligen Zeit schwerste westdeutsche 90-Tonnen-Kran aus Essen herbeigeholt. Mit beiden Kränen konnten dann Lok und Messwagen am Sonntag, dem 31.05.1953 geborgen werden. Vorher waren hierfür noch langwierige Begradigungs- und Befestigungsarbeiten am schrägen Gleis notwendig.
Da während der Arbeiten die Strecke zwischen den beiden Bahnhöfen gesperrt war, mussten die Reisenden, die von Limburg kamen und nach Frankfurt oder Wiesbaden wollten, in Oberbrechen (Süd) umsteigen und zu Fuß nach Niederselters (Nord) gehen. Ebenso ging es den Reisenden, die nach Limburg wollten. Es war kein reines Vergnügen, da es fast den ganzen Tag regnete, was auch die Arbeiten erschwerte.
Der spätere Bürgermeister von Oberbrechener bzw. Brechen konnte damals Fotos machen und hat diese zusammen mit seinen oben aufgeführten (leicht redigierten) Erinnerungen für das Informationsblatt der Gemeinde Brechen 1983, also 30 Jahre nach dem Unglück, veröffentlicht.
Die entgleiste Lokomotive nach dem EIsenbahnunglück 1953 sowie die Bergungszüge
Die Bergung der heruntergestürzten Lokomotive (alle Fotos: Josef Kramm)
(Quelle: Inform. Informationsblatt der Gemeinde Brechen, 14.07.1983, S. 2: „Vor 30 Jahren: Lokomotive und Meßwagen stürzten in den Emsbach“ sowie am 30.11.2000, S. 6; Nassauer Bote, 13.05.1953)