Von Bahnübergängen, Stellwerken und Bahnwärterhäuschen in der Gemeinde Brechen

Eng mit der 150-jährigen Geschichte der Bahnstrecke Limburg – Frankfurt sind die im Bereich der Gemeinde Brechen liegenden Bahnübergänge, Stellwerke und Bahnwärterhäuschen verbunden, die teilweise nicht mehr existent sind.

1. Bahnübergang und Stellwerk „Flachsau“ Niederbrechen

1913    Am Bahnhof Niederbrechen werden im Rahmen des zweigleisigen Streckenausbaus die Fahrdienstleiter- und Weichenwärter-Stellwerke gebaut; auch in Oberbrechen wird ein neues Stellwerk errichtet.
01.03.1914    Inbetriebnahme des Stellwerks am Bahnhof Niederbrechen.

27.09.1985    Die Gemeindevertretung Brechen stimmt in ihrer Sitzung einer Vereinbarung der Gemeinde mit der Bundesbahn zu, nach der die Schranken am Bahnübergang "Flachsau" signalabhängig gesteuert und somit ein Fehlverhalten des Schrankenbedieners ausgeschlossen werden soll; die Kosten in Höhe von 164 000 Mark werden zu je einem Drittel von der Bundesbahn, dem Bund und der Gemeinde getragen. Ferner wird eine Vereinbarung mit der Bundesbahn über die (spätere) Beseitigung des Bahnübergangs "Flachsau" und den Ausbau der bisherigen Ladestraße (heute "Vorm Werschberg") zu einer Ersatzstraße beschlossen.
23.09.1987    In Niederbrechen wird das Fundament für ein neues Bahngebäude zwischen Bahnhof und Stellwerk in der Bahnhofstraße gelegt.
Anfang April 1988    Das Dach des im Bau befindlichen neuen Bahngebäudes in Niederbrechen, das neben einer Fahrkartenausgabe auch ein Stellwerk umfasst, wird gedeckt.
11.04.1988    Der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde Brechen berät in seiner Sitzung u.a. über die Pläne und Vertragsunterlagen mit der Bundesbahn zum Bau einer Fußgängerunterführung am Bahnhof Niederbrechen und über die Beseitigung des Bahnübergangs Flachsau. Die Fußgängerunterführung mit zwei Zugangsrampen und zwei Treppenzugänge an der Bahnhofsvorderseite und an der Ladestraße sowie einer Rampe zum Mittelbahnsteig soll rund 2,1 Millionen DM kosten, dazu Kosten in Höhe von 60.000 Mark für die Beseitigung des Bahnübergangs und des Ausbaus der Ladestraße; seitens der Gemeinde sollen 105.00 DM beigesteuert werden.
05.05.1988    Die Gemeindevertretung Brechen beschließt in ihrer Sitzung den Abschluss einer Vereinbarung mit der Bundesbahn über den Bau einer Fußgängerunterführung am Bahnhof Niederbrechen, ebenso den Abschluss einer Vereinbarung über die Beseitigung des Bahnüberganges "Flachsau" und den Ausbau einer Ersatzstraße.    
Anfang Feb. 1989    Bürgermeister Bernhard Königstein besichtigt das aus dem Jahr 1914 stammende Stellwerk "Nf" am Bahnübergang "Flachsau", das als einziges auf der Bahnstrecke Limburg - Idstein noch mit der alten Technik funktioniert, nun aber durch das nebenan erstellte neue Stellwerk abgelöst wird und nur noch die Bahnschranken des Bahnübergangs zu bedienen hat, bis auch dieser zusammen mit dem Stellwerk beseitigt werden soll. Bemühungen, das Stellwerk bzw. seine technischen Einrichtungen für museale Zwecke zu erhalten, werden auch von der Bundesbahn unterstützt.
Anfang Juni 1989    Michael Jung (MdB) besucht das alte Stellwerk am Bahnhof Niederbrechen und will die vielfältigen Bemühungen zum Erhalt der aus preußischer Zeit stammenden Stellwerktechnik mit unterstützen.

Das Stellwerk am Bahnübergang Flachsau in Niederbrechen 1988 (Fotos: Gemeindearchiv Brechen)

19.09.1989    In der NNP ist zu lesen, dass die Bundesbahndirektion Frankfurt dem Kreis Limburg-Weilburg die historische Stellwerktechnik des Stellwerk "Nf" am Bahnhof Niederbrechen kostenlos nach Inbetriebnahme des neuen Stellwerks überlassen wird.
26.09.1989    Das Stellwerk "NP" im neu errichteten Stationsgebäude am Bahnhof Niederbrechen wird mit dem Fahrplanwechsel in Betrieb genommen; das Gebäude umfasst einen 16 qm großen Raum für den Fahrdienstleiter, einen 15 qm großer Verkaufsraum sowie eine 20 qm große Wartehalle mit Sitzgelegenheit. Die Kosten für das neue Stellwerk belaufen sich nach Auskunft der Bahn auf 278.000,-- DM, zuzüglich 20.000,-- DM Lohnkosten für bahneigene Handwerker. Mit der Inbetriebnahme werden die mechanischen Stellwerke am Bahnübergang Flachsau, in der Nähe des Wörsbaches sowie an der Berger Kirche stillgelegt. Das alte, denkmalgeschützte Bahngebäude wird nach einer "Entbehrlichkeitsprüfung" durch die Bundesbahn zum Verkauf angeboten. 
02.10.1989    In Niederbrechen wird auf Betreiben der Gemeinde die Stellwerkanlage ("Stellwerksblock") aus dem alten Stellwerk am Bahnübergang zur Flachsau ausgebaut und für museale Zwecke zunächst im Anwesen Rathausstraße 16 zwischengelagert; kurz danach beginnen die Abbrucharbeiten an dem Stellwerk.

 

Gemeinde erhält Stellwerkseinrichtung

Ende September hat die Bahn das neue Stellwerk am Bahnhof Niederbrechen in Betrieb genommen. Das alte Stellwerksgebäude am Bahnübergang zur Flachsau hat damit ausgedient, die Abbrucharbeiten sind im Gange.

Die Bundesbahn hat der Gemeinde die alte, aus dem Jahre 1914 stammende Stellwerkseinrichtung für museale Zwecke überlassen.

Wo die Einrichtung aufgestellt wird, ist zur Zeit noch nicht bekannt, sie wurde deshalb zunächst in einer Scheune gelagert.

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 12.10.1989, S. 04)

Niederbrechen – Das Stellwerk wird doch abgerissen

Das alte Stellwerk am Bahnhof Niederbrechen mit dem Übergang zur Flachsau wird nun doch nicht erhalten werden können und abgerissen.

Herr Schiemanns aus Nauheim, der über die Eisenbahngeschichte in unserer Region schrieb und ihr sehr zugetan ist, sprach davon, daß die technischen Möglichkeiten dies nicht zuließen. Auch spielte die Unterhaltung für Besucher eine Rolle.

So wurde aber vorher, ehe der Abbruch des Stellwerkes erfolgt, am Montag, 2.10.1989, morgens, mittels eines Kranes die eigentliche Stellanlage aus dem Haus herausgenommen und in eine Scheune in der Rathausstraße gebracht.

Jetzt wird ein Raum für die Unterbringung gesucht, in dem diese Anlage auch immer wieder einmal Besuchern gezeigt werden kann, auch wie sie tatsächlich funktioniert hat. Wollen wir abwarten, bis ein guter Platz gefunden ist, wünscht im Namen vieler, der Chronist.

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 19.10.1989, S. 07)

06.07.1992    Der Bahnübergang "Flachsau" in Niederbrechen wird geschlossen; Fußgänger und Radfahrer gelangen durch die Fußgängerunterführung, Autos und LKWs über die Eisenbahnbrücke und die neu ausgebaute, ehemalige Ladestraße Richtung Werschberg und Gewerbegebiet.
Anfang Okt. 1992    Das Zentralstellwerk am Bahnhof Limburg übernimmt die Steuerung der Signale und Weiche an den Bahnhöfen Niederbrechen und Bad Camberg und steuert damit den gesamten Streckenabschnitt Idstein - Limburg; die örtlichen Fahrdienstleister werden damit abgezogen und anderweitig eingesetzt.
Feb. 1995    Nach wiederholter Erinnerung durch die Gemeinde Brechen wird der Bereich zwischen dem ehemaligen Bahnübergang "Flachsau", dem beseitigten alten Stellwerk und dem neuen Bahngebäude in der Bahnhofstraße Niederbrechen durch die Bahn mit Abgrenzungen, Bürgersteig und Anpflanzungen versehen.    
Mitte Jan. 2006    Die historische Stellwerktechnik ("Stellwerksblock") des abgebauten Stellwerks "Nf" am Bahnhof Niederbrechen, von 1914 bis 1989 in Betrieb, wird als Dauerleihgabe in das im Aufbau befindliche Eisenbahnmuseum nach Wilsenroth gebracht.

2. Bahnübergang an der Berger Kirche / B8

1965    Die Deutsche Bundesbahn kauft bei der Brückenmühle in Niederbrechen Gelände für den neuen Schrankenposten.
Anfang Jul. 1981    In einem Informationsgespräch des CDU-Arbeitskreises Raumordnung, Wirtschaft, Verkehr unter Leitung ihres Vorsitzenden Karl-Winfried Seif im Rathaus in Brechen verweist Bürgermeister Bernhard Königstein auf die Beseitigung des Bahnübergangs an der Berger Kirche in Verbindung mit einer B 8-Ortsumgehung bis 1985, wenn vom Bund die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren werden die Elektrifizierung der Bahnstrecke Niedernhausen - Limburg, die Forderung einer Eilzugstation Niederbrechen und ein Autobahnanschluss Brechen/Selters thematisiert.
09.12.1982    Die Gemeindevertretung Brechen beschäftigt sich in ihrer Sitzung mit den durch die geplante Elektrifizierung der Bundesbahnstrecke Niedernhausen – Limburg bis Ende 1985 im Bereich der Gemeinde anstehenden bzw. geplanten Umbaumaßnahmen, u.a. Abbruch der Eisenbahnbrücke und Ausbau der Ladestraße entlang der Gaststätte Waldesruhe und des Lagers der Firma Möhn, Bau einer Unterführung als Zugang zu den Bahnsteigen von der Bahnhofstraße, Ersetzen des Bahnübergangs an der Berger Kirche durch eine Unterführung usw. Hierzu werden verschiedene Stellungnahmen beschlossen.
20.02.1986    Im "Inform", dem Mitteilungsblatt der Gemeinde Brechen, ist zu lesen, dass seitens des Regierungspräsidenten das Planfeststellungsverfahren zur Beseitigung des schienengleichen Bahnüberganges an der Berger Kirche eingeleitet worden ist; die Planungen sehen eine Unterquerung der Bahnstrecke sowie eine Brückenüberführung des Emsbaches vor.
02.03.1986    Die FWG Brechen legt formellen Widerspruch beim Regierungspräsidium Gießen gegen Pläne einer "Beseitigung des Bahnübergangs an der Berger Kirche" ein, auch wenn sie die grundsätzliche Notwendigkeit des bestehenden schienengleichen Bahnübergangs sieht. 
Die vorliegende Planung sieht u.a. eine 8,20 Meter hohe und 135 Meter lange Stützmauer am Fuße der Berger Kirche vor sowie eine Unterquerung der Bahnlinie mit Überwindung von ca. 12 Metern Höhenunterschieden auf kurzer Strecke vor.
Der Widerspruch wird u.a. begründet mit Umweltverschandelung, Mißachtung des Denkmalschutzes (Berger Kirche), verstärkte Hochwassergefährdung in Niederbrechen, Gefährdung der Notärztlichen Versorgung, Vernichtung von Biotopen (umzulegende Bachläufe und damit veränderte Fließeigenschaften).

Bahnübergang Berger Kirche soll beseitigt werden

Für ein Straßenbauprojekt, das das Gesicht unserer Gemeinde erheblich verändert, ist seitens des Regierungspräsidenten das Planfeststellungsverfahren eingeleitet worden. Es geht dabei um die Beseitigung des Bahnüberganges an der Berger Kirche.

Nach den vorliegenden Plänen ist beabsichtigt, den Bahnübergang durch eine Unterführung zu ersetzen. Wie aus den Plänen zu entnehmen ist, bleibt die Bundesstraße 8 aus Richtung Lindenholzhausen kommend zunächst auf der Seite der Berger Kirche, wird weiter im Verlauf der jetzigen Landesstraße bis zur Höhe des Tanklagers Gläser geführt, von dort schwenkt sie zur Bahnstrecke hin, unterquert die Bahn, wird dann mit einer Brücke über den Emsbach geführt und kommt am Ortsausgang wieder auf die jetzige B 8.

Von dieser neuen Trasse ist eine Querverbindung parallel zur Bahn bis zur Bahnhofstraße geplant. Die Bahnhofstraße von der Einmündung an der Firma Eichhorn bis zur Eisenbahnbrücke soll nur noch dem Anliegerverkehr bzw. dem Fuß- und Radverkehr dienen. Die jetzige B 8 vom Ortsausgang bis zum Bahnübergang an der Berger Kirche ist nur noch für den Anlieger- bzw. den landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen. Geändert wird ebenfalls die Zufahrt zur Berger Kirche. Zwei Zufahrten zur Feldgemarkung von der jetzigen B 8 aus sollen entfallen.

Die Gemeindegremien werden sich in der nächsten Zeit mit den Plänen befassen und eine Stellungnahme dazu abgeben. Die Pläne liegen bis einschließlich 5.3.1986 zu jedermanns Einsicht im Rathaus, Zimmer 4, aus.

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 20.02.1986, S. 03)

09.04.1986    Die Gemeindevertretung Brechen stimmt in ihrer Sitzung einstimmig einer Stellungnahme des Gemeindevorstandes zu, die die vorgelegten Pläne für eine Beseitigung des Bahnübergangs Berger Kirche ablehnt und einen neuen Entwurf von den Planungsbehörden fordern. Damit wird Einspruch gegen das entsprechende Planfeststellungsverfahren eingelegt; Mitte April spricht sich auch die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Kreis Limburg-Weilburg Widerspruch gegen die derzeitige Planung aus. 

Denkmalschutzes (Berger Kirche), verstärkte Hochwassergefährdung in Niederbrechen, Gefährdung der Notärztlichen Versorgung, Vernichtung von Biotopen (umzulegende Bachläufe und damit veränderte Fließeigenschaften).

 

Bahnübergang Berger Kirche soll beseitigt werden

Für ein Straßenbauprojekt, das das Gesicht unserer Gemeinde erheblich verändert, ist seitens des Regierungspräsidenten das Planfeststellungsverfahren eingeleitet worden. Es geht dabei um die Beseitigung des Bahnüberganges an der Berger Kirche.

Nach den vorliegenden Plänen ist beabsichtigt, den Bahnübergang durch eine Unterführung zu ersetzen. Wie aus den Plänen zu entnehmen ist, bleibt die Bundesstraße 8 aus Richtung Lindenholzhausen kommend zunächst auf der Seite der Berger Kirche, wird weiter im Verlauf der jetzigen Landesstraße bis zur Höhe des Tanklagers Gläser geführt, von dort schwenkt sie zur Bahnstrecke hin, unterquert die Bahn, wird dann mit einer Brücke über den Emsbach geführt und kommt am Ortsausgang wieder auf die jetzige B 8.

Von dieser neuen Trasse ist eine Querverbindung parallel zur Bahn bis zur Bahnhofstraße geplant. Die Bahnhofstraße von der Einmündung an der Firma Eichhorn bis zur Eisenbahnbrücke soll nur noch dem Anliegerverkehr bzw. dem Fuß- und Radverkehr dienen. Die jetzige B 8 vom Ortsausgang bis zum Bahnübergang an der Berger Kirche ist nur noch für den Anlieger- bzw. den landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen. Geändert wird ebenfalls die Zufahrt zur Berger Kirche. Zwei Zufahrten zur Feldgemarkung von der jetzigen B 8 aus sollen entfallen.

Die Gemeindegremien werden sich in der nächsten Zeit mit den Plänen befassen und eine Stellungnahme dazu abgeben. Die Pläne liegen bis einschließlich 5.3.1986 zu jedermanns Einsicht im Rathaus, Zimmer 4, aus.

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 20.02.1986, S. 03)

 

09.04.1986 Die Gemeindevertretung Brechen stimmt in ihrer Sitzung einstimmig einer Stellungnahme des Gemeindevorstandes zu, die die vorgelegten Pläne für eine Beseitigung des Bahnübergangs Berger Kirche ablehnt und einen neuen Entwurf von den Planungsbehörden fordern. Damit wird Einspruch gegen das entsprechende Planfeststellungsverfahren eingelegt; Mitte April spricht sich auch die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Kreis Limburg-Weilburg Widerspruch gegen die derzeitige Planung aus.

Pläne zur Beseitigung des Bahnüberganges an der Berger Kirche abgelehnt

Die Gemeindevertretung hat in ihrer Sitzung am 9.4.1986 über die Pläne zur Beseitigung des Bahnüberganges an der Berger Kirche beraten.

Die vorliegende Planung wird abgelehnt. Einstimmig hat die Vertretung folgende Stellungnahme beschlossen:

Stellungnahme der Gemeinde Brechen zur Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs im Zuge der B 8 Niederbrechen (Bahn -km 61.330).

Die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs im Zuge der B 8 wird von uns als dringend notwendig angesehen und ausdrücklich begrüßt. Trotzdem legen wir gegen die Planung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens Widerspruch ein. Straßenplanungen sollten das Ziel haben, Mißstände und Gefahren zu beseitigen. Dies sollte mit einem möglichst geringen Eingriff in Natur und Landschaft verbunden sein. Weiterhin müssen die gewählten neuen Straßenführungen mit den Planungsabsichten der Gemeinde in Einklang stehen.

Die vorgelegten Pläne entsprechen nicht diesen Kriterien. Die Planung sieht einen zu starken Eingriff in Natur und Landschaft vor, der unseres Erachtens nicht erforderlich ist. Die Trogstrecke ist zu nahe am Ort geplant.

Wir befürchten, daß bei einer Verwirklichung in den tieferen Ortslagen von Niederbrechen und insbesondere auch im Gewerbegebiet entlang des Wörsbaches (Firma Eichhorn) in verstärktem Maße Hochwasser auftritt. Weiterhin befürchten wir, daß bei größerem Hochwasser die Trogstrecke voll Wasser läuft und dadurch die Verkehrsverbindung nach Limburg und auch zu den auf der anderen Bahnseite gelegenen Wohnhäusern und Betrieben unterbrochen wird. Dies wäre besonders nachteilig, wenn der Einsatz von Rettungsfahrzeugen erforderlich wird und auch bei Bränden.

Das Zusammentreffen der Verkehrsströme der B 8 und der L3022 führt besonders im Berufsverkehr zu erheblichen Staus. Durch die beabsichtigte Schließung der Eisenbahnbrücke für den Kraftfahrzeugverkehr und die Verlagerung dieses Verkehrs auf die B 8 im Bereich der Trogstrecke werden die Verkehrsprobleme noch größer.

Die geplante Schließung von mehreren Feldwegezufahrten kann nicht hingenommen werden. Der in der Planung für die Gemarkungserschließung vorgesehene Wegeabschnitt im Bereich der Berger Kirche kann von schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen nicht benutzt werden. Er ist zu schmal, zu steil und hat zu enge Kurven.

Untragbar ist der beabsichtigte Bau einer 135 m langen und bis zu 7 m hohen Stützmauer und die damit verbundene Anhebung der B 8 vor dem Felsen der Berger Kirche. Nachteilig für die Gemeinde ist auch, daß die im Flächennutzungsplan der Gemeinde ausgewiesenen Gewerbeflächen südlich der Bahnstrecke nicht mehr nutzbar sind.

Unsinnig ist, die zur Zeit im Umbau befindliche Brücke über die Bahn im Zuge der L 3022 nach dem Bau der Unterführung für den Kraftfahrzeugverkehr zu sperren und nur noch für den Fußgänger- und Radfahrverkehr offen zu lassen.

Hinweisen möchten wir auch darauf, da8 die hohen Baukosten, die zu einem erheblichen Teil durch die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen (Verlegung der Abwassersammler sowie des Ems- und Wörsbaches) und die Änderung und Neuherstellung von Feldwegezufahrten entstehen, durch eine Änderung der Planung vermindert werden können.

Wir schlagen deshalb vor, das gesamte Konzept nochmals zu überdenken und zu ändern. Unsere Vorstellungen dazu sind folgende:

1) Die B 8 kreuzt bereits zwischen Rheingauer Platz und Berger Kirche die Bahn. Es sollte möglichst eine Unterführung angestrebt werden, aber auch eine Überführung wäre aus unserer Sicht vertretbar.

Die neue Trasse soll im Bereich der Brückenmühle an die jetzige B 8 angeschlossen werden. Die L 3022 wird ab dem Bahnübergang auf der jetzigen B 8 bis etwa an den Rheingauer Platz weitergeführt und an die B 8 angebunden.

2) Die Zufahrten zur Berger Kirche und zur Feldgemarkung bleiben unverändert.

3) Die geplante Querspange wird als Teil einer Ortsumgehung von Niederbrechen angesehen. Sie sollte entlang der Bahnlinie bis zum Ortsausgang Niederbrechen weitergeführt werden.

4) die Eisenbahnbrücke im Zuge der jetzigen L 3022 bleibt auch in Zukunft als Landesstraßenbrücke für den Kraftfahrzeugverkehr geöffnet.

5) Bei einer Verwirklichung der Umgehungsstraße könnte der Bahnübergang in der unteren Bahnhofstraße zum Gewerbegebiet "Flachsau" hin geschlossen werden. Als Ersatz dafür müßte die Ladestraße entlang der Anwesen Möhn und Arnold ausgebaut werden. Für Fußgänger und Radfahrer wäre im Bereich des Bahnhofs eine Bahn- und Straßenüber- bzw. -unterführung zu bauen, die auch behindertengerechte Rampen erhalten sollte.

Wir gehen davon aus, daß die Kosten der von uns vorgeschlagenen Gesamtmaßnahmen (einschl. Ortsumgehung) nicht höher sind als die Kosten der jetzigen Planung, die lediglich die Beseitigung des Bahnüberganges und den Bau der Querspange betreffen.

Wir bitten, unseren Widerspruch sorgfältig zu prüfen und zu beachten, da schon jetzt feststeht, daß die Gemeinde den vorliegenden Plänen niemals zustimmen wird.

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 17.04.1986, S. 03)

16.05.1986    In der NNP ist zu lesen, dass der Leiter des Hessischen Straßenbauamtes sowie der Leiter der Planungsabteilung in einem Gespräch mit der NNP die gegen die Planung zur Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs an der Berger Kirche erhobenen Bedenken seitens der Gemeinde Brechen wie auch von Naturschutzverbänden als grundlos und nicht haltbar bezeichnen und die geäußerten Kritikpunkte - auch mit Verweis auf die ausgegebenen 300.000 DM Planungskosten - scharf zurückweisen. Die ins Spiel gebrachten Alternativlösung sei bereits in den 1970er Jahren als unvertretbar eingestuft worden und die aktuelle Planung einer Trogstrecke an der Berger Kirche sei der Gemeinde bereits seit dem 24.11.1981 bekannt. 
16.08.1989    Der Bahnübergang an der Berger Kirche wird mit einer neuen Schrankenanlage ausgestattet und der Bahnübergang danach nur noch elektrisch geregelt - zunächst noch vom Schrankenwärter vor Ort, mit der Inbetriebnahme des neuen Stellwerk am Bahnhof Niederbrechen am 26.09.1989 von dort.
Anfang Nov. 1989    Das Stellwerk an der Berger Kirche in Niederbrechen ("Bahnwärterhäuschen") wird abgebrochen, da die Schranken automatisch vom Stellwerk im neu errichteten Bahnhofsgebäude in der Bahnhofstraße bedient werden. 
11.07.1991    Im "Inform", dem Mitteilungsblatt der Gemeinde Brechen, ist zu lesen, dass die seit vielen Jahren geplante Beseitigung des schienengleichen Bahnüberganges an der Berger Kirche noch weiter auf sich warten lässt.
 

Bahnübergang an der Berger Kirche bleibt doch

Die seit mehreren Jahren geplante Beseitigung des Bahnüberganges an der Berger Kirche läßt noch auf sich warten.

Das Straßenbauamt Weilburg hat der Gemeinde aufgrund einer diesbezüglichen Anfrage u. a. mitgeteilt:

"Nach Beteiligung des Naturschutzbeirates nahm die Untere Naturschutzbehörde zwischenzeitlich dahingehend Stellung, daß die Untersuchung der alternativen Trassenführung (Überführung am Rheingauer Platz) im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung aufgrund der offensichtlichen Nachteile für das Landschaftsbild und die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes nicht durchgeführt werden sollten. Statt dessen sollte sich im Rahmen einer Eingriffs-/Ausgleichsplanung intensiv mit der modifizierten Planfeststellungsvariante (Unterführung) auseinandergesetzt werden.

Zu diesem Zweck müssen von hier zunächst die Fragen der Fußwegverbindung von der Ortslage zur Berger Kirche und die Frage der Erschließung der landwirtschaftlichen Flächen geklärt werden, um danach den Landschaftspflegerischen Begleitplan überarbeiten zu lassen. Der dafür erforderliche Zeitbedarf kann zur Zeit noch nicht genau abgeschätzt werden, da dies vom Umfang der erneut erforderlichen Bestandserfassung abhängt."

(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 11.07.1991, S. 02)

14.11.2019    Auf Nachfrage der NNP bestätigt der Regionale Bevollmächtigte Westhessens von Hessen Mobil, dass es neue Planungen für die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs bei Niederbrechen geben wird und die bisherige Vorzugsvariante aufgrund der vorhandenen Topographie nicht weiter verfolgt werde, verbunden mit der Aussage "Das wird sich nicht wieder über fünf Jahre hinziehen". Die sich anschließende Kritik richtet sich vor allem an der damit verbundenen weiteren Zeitverzögerung und der Tatsache, dass die vorliegende Topographie seit Beginn aller Planungen unverändert geblieben sei. Die Bürgerinitiative Ortsumgehung Brechen regt eine Informationsveranstaltung durch Hessen Mobil an.

3. Bahnübergang „Schafsbrücke“ Niederbrechen

01.10.1960    In Niederbrechen wird das Schrankenwärterhäuschen mit der Schrankenanlage in Höhe der Schafsbrücke entfernt und eine Blinkanlage in Betrieb genommen.
24.05.2017    Am unbeschrankten Bahnübergang "Schafsbrücke" ereignet sich ein schwerer Unfall: Ein 68-jähriger Autofahrer missachtet beim Überqueren des Übergangs das Warnlicht und kollidiert mit einem in Richtung Frankfurt fahrender Regionalexpress. Die Bahnstrecke wird vorübergehend gesperrt und es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen.

Schwerer Verkehrsunfall am unbeschrankten Bahnübergang zw. Nieder- und Oberbrechen – RTH im Einsatz, 7.05-Zug ab Niederbrechen Richtung Frankfurt. BPOL-F: Abschlussmeldung – Unfall am Bahnübergang Oberbrechen

An einem unbeschrankten Bahnübergang, zwischen den Gemeinden Ober- und Niederbrechen, kam es heute Morgen gegen 7 Uhr zu einem Verkehrsunfall bei dem ein PKW mit einem durchfahrenden Regionalexpress kollidierte. Durch die Kollision wurde das Fahrzeug zur Seite geschleudert und der 68-jährige Fahrer verletzt. Da schwerere Verletzungen nicht auszuschließen waren, wurde er mit einem Rettungshubschrauber in die Unfallklinik nach Frankfurt am Main geflogen Nach vorliegenden Informationen sind die Verletzungen glücklicherweise nicht schwerwiegend und der Fahrer befindet sich nicht in Lebensgefahr. Weniger Glück hatten die Hunde des Fahrers die sich zum Unfallzeitpunkt im Fahrzeug aufhielten. Von den vier "Peginesen" verstarben zwei noch an der Unfallstelle. Ein Hund blieb unverletzt und einer lief weg. Bisher konnte er noch nicht wieder aufgefunden werden.

Die bisherigen Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion Frankfurt am Main zum Unfallhergang haben bisher ergeben, dass der Fahrer offenbar die rot zeigende Lichtzeichenanlage des Bahnüberganges ignoriert hat. Als er auf die Gleisanlagen fuhr, kam es zur Kollision mit dem Regionalexpress. Der Lokführer hatte noch eine Notbremsung eingeleitet, welche aber den Zusammenprall nicht mehr verhindern konnte. Der Lokführer blieb äußerlich unverletzt, konnte aber seinen Dienst nicht weiter fortführen. Glücklicherweise wurde auch keiner der etwa 300 Reisenden im Zug verletzt. Erst gegen 9.30 Uhr konnten die Reisenden den Zug verlassen und mit einem Ersatzzug die Fahrt in Richtung Frankfurt am Main fortsetzen. Erst mit Beendigung der Rettungs- und Ermittlungsarbeiten konnten die Bahnstrecke um 12.15 Uhr wieder freigegeben werden. Bis zur Aufhebung der Sperrungen kam es bei insgesamt 13 Zügen zu Verspätungen. Zwei Zugverbindungen mussten komplett ausfallen. Die Höhe des Sachschadens kann noch nicht beziffert werden, dürfe sich aber im fünfstelligen Bereich bewegen. Die abschließenden Ermittlungen hat die Bundespolizeiinspektion Frankfurt am Main übernommen.

(Quelle: BrachinaImagepress, 24.05.2017)

06.07.2017    In der NNP ist zu lesen, dass seit dem Unfall am unbeschrankten Bahnübergang "Schafsbrücke" in Niederbrechen am 24.05.2017 Posten den Übergang sichern. Die Bahn hat sich hier für den Neubau einer Sicherungsanlage mit Halbschranken entschieden, mit dem eine Verbreiterung der Zufahrt an beiden Seiten des Bahnübergangs einhergehen wird. Für die Dauer der Posten-Sicherung, die rund um die Uhr erfolgt, wird ein Aufenthalts-Container aufgestellt.
06.04.2018 - 08.06.2018    Am Bahnübergang "Schafsbrücke" in Niederbrechen wird eine neue Sicherungsanlage mit Halbschranke errichtet, nach dem es dort am 24.05.2017 zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen war; in diesem Rahmen werden die beidseitigen unmittelbaren Zufahrten des Bahnübergangs verbreitert. Die Umleitung des Fernradweges R 8 erfolgt in dieser Zeit über den parallel zur B 8 verlaufenden Radweg. 

4. Sonstige Bahnübergänge im Bereich Brechen

1913 Nach dem Bau der Eisenbahnbrücke in der Bahnhofstraße Niederbrechen wird der Bahnübergang der in Höhe der heutigen Jahnstraße geschlossen.

18.10.1957 Die Gemeindevertretung Niederbrechen beschließt in ihrer Sitzung, dass die Bahnübergänge "Rheingauer Platz" und „Auf der Lach“ beseitigt werden.

13.06.1973 Die Gemeindevertretung Oberbrechen erklärt sich in ihrer Sitzung grundsätzlich damit einverstanden, dem Vorschlag der Bundesbahn zur Schließung des Bahnübergangs, dem Bau eines Fußgängerüberwegs am Bahnhof und dem Bau eines Wirtschaftsweges durch das Wiesental zu folgen und beauftragt die Gemeindeverwaltung für den Bau entsprechende Angebote einzuholen und der Bundesbahn für die Kostenübernahme vorzulegen.

04.10.1973 Die Gemeindevertretung Oberbrechen beschließt in ihrer Sitzung die Aufhebung des Bahnüberganges (Feldweg) und stattdessen den Bau eines Ersatzweges und eines Fußgängersteges am Bahnhof durch die Gemeinde; mit der Durchführung der Arbeiten werden die Firma Donges Stahlbau und Zanger beauftragt. Die Gemeinde erhält für diese Maßnahmen 161.000 DM von der Bundesbahn.

Ende Jun. 1974 In Oberbrechen wird der Bahnübergang am Bahnhof endgültig geschlossen, nachdem die Gemeinde Oberbrechen einen Fußgängersteg (Kosten: rund 75.000 DM) zulasten der Bundesbahn errichtet hat.

Jul. 2002 In Oberbrechen wird der Bahnübergang am ehemaligen Schwesternhaus im Rahmen der B 8-Ortsumgehung geschlossen; landwirtschaftliche Fahrzeuge können nunmehr die neu erbaute Brücke über die B 8-Ortsumgehung und die Bahnstrecke nutzen.

 

 

Hinweise zu weiteren Themenbeiträge zur Eisenbahngeschichte der Gemeinde sind unter 1875 – 2025: 150 Jahre Eisenbahn in der Gemeinde Brechen zu finden.

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