"Die Bahn schenkt Ihnen eine Stunde". - Einige interessante historische Eckpunkte zu Planung, Bau und Betrieb der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main mit Schwerpunkt der Betrachtung auf der Gemeinde Brechen (1985-2024)
2025 sind Niederbrechen und Oberbrechen seit 150 Jahren Bahnstationen an der Main-Lahn-Bahn Frankfurt-Limburg. Mit der Inbetriebnahme der ICE-Strecke Frankfurt – Köln im Jahr 2002 führt eine weitere wichtige Bahntrasse durch das Gemeindegebiet, die mit ihrer gewaltigen Wörsbachtalbrücke ein markantes und prägendes Bauwerk in der Gemeinde darstellt. Mit der nachfolgenden Chronik sollen einige wichtige Eckpunkte zur Geschichte und Entwicklung dieser nicht unumstrittenen Schnellbahnstrecke aus Sicht der Gemeinde Brechen gegeben werden.
Okt. 1985 Erstmals wird in der Gemeinde über eine Schnellbahnverbindung Köln-Frankfurt gesprochen. In einer Versammlung des SPD-Ortsbezirks Niederbrechen werden Vor- und Nachteile der parallel zur Autobahn geplanten Schnellbahntrasse erörtert, wobei die Skepsis Anbetracht der erwarteten Landschaftseingriffe und Lärmbelästigung für Niederbrechen und Werschau überwiegt (siehe NLZ, 10.10.1985: SPD Brechen betrachtet die Schnellbahntrasse mit Skepsis. Sie bringt Leuten im Goldenen Grund mehr Nach- als Vorteile).
Feb. 1986 In einer Informationsveranstaltung der SPD Idstein geht ein Vertreter der Deutschen Bundesbahn davon aus, dass mit einem Baubeginn der Schnellbahntrasse nicht vor dem Jahr 2000 zu rechnen sei, zumal noch keine Entscheidung hinsichtlich der Trassenführung gefällt wurde. „Für die Bewohner des Taunus und des Goldenen Grundes sei eine Verbesserung des Nahverkehrs erforderlich, damit die Fahrt zum Arbeitsplatz beschleunigt werde. Eine schnelle Nord-Süd-Verbindung zwischen den Ballungsgebieten habe dagegen keinerlei Bedeutung für die Bürger dieser Region, …“ (siehe NNP, 21.02.1986: Schnellbahntrasse Köln - Frankfurt wird nicht vor dem Jahr 2000 gebaut).
20.12.1989 Die Bundesregierung stimmt der Entscheidung des Verkehrsministers zu, die geplante ICE-Neubaustrecke durchgehend rechtsrheinisch parallel zur Autobahn A 3 zu führen, mit einer Haltestelle im rheinland-pfälzischen Montabaur und im hessischen Limburg.
06.03.1990 Beratung der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes der Gemeinde Brechen mit einem Vertreter der Projektgruppe der Bahn-Neubaustrecke Köln - Rhein/Main über den Stand der Planung im Bereich unserer Gemeinde.
11.02.1991 bis 12.04.1991 Im Rahmen des eingeleiteten Raumordnungsverfahren für die ICE-Neubaustrecke Köln - Rhein/Main werden „die der Planung zugrundeliegenden Unterlagen öffentlich zu jedermanns Einsicht“ u. a. im Rathaus der Gemeinde Brechen ausgelegt.
14.05.1991 Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Werschau zur geplanten ICE-Schnellbahn Köln - Rhein/Main.
Bürgerversammlung Schnellbahn
In einer Bürgerversammlung, die in der vergangenen Woche im Dorfgemeinschaftshaus Werschau stattfand, informierten Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen und der Deutschen Bundesbahn über die geplante Schnellbahn Köln – Rhein/Main.
Hauptdiskussionspunkt war die zu erwartende zusätzliche Lärmbelästigung. Es wurde massiver gefordert, sowohl im Wörsbachtals auch besonders im Bereich der Ortslage Werschau nicht nur die Neubaustrecke, sondern auch die Autobahn mit Lärmschutzeinrichtungen zu versehen. Durchweg war eine ablehnende Haltung zu den geplanten Bauvorhaben zu erkennen.
Die Gemeindegremien werden in Kürze eine Stellungnahme zu dem Vorhaben ausarbeiten, die wir dann abdrucken.
(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 23.05.1991, S. 04)
05.10.1992 - 22.10.1992 Ausstellung über die geplante ICE-Schnellbahn Köln - Rhein/Mai im Dorfgemeinschaftshaus Werschau. An einem Modell ist die Streckenführung zur Querung des Wörsbachtales und oberhalb Werschaus dargestellt.
25.11.1993 Sitzung der Gemeindevertretung Brechen und des Gemeindevorstandes mit Vertretern der Bundesbahn über den Stand des Raumordnungsverfahrens der Schnellbahn Köln - Rhein/Main sowie ergänzende Planungen im Freizeitraum der Emstalhalle Oberbrechen.
23.01.1995 Die Gemeindevertretung Brechen berät in ihrer Sitzung eine Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren zur neuen ICE-Trasse und verwahrt sich gegen jede weitere Verschlechterung des Lebensumfeldes und der Lebensqualität in Werschau, Niederbrechen und Oberbrechen, vor allem auch hinsichtlich der zu erwartenden zusätzlichen Lärmbelästigung zu den bereits vorhandenen Lärmquellen. Des Weiteren besteht die Gemeindevertretung darauf, dass als Ausgleichsmaßnahme der bestehende Damm der Autobahn durch eine Brücke parallel zur geplanten ICE-Brücke über das Wörsbachtal ersetzt werden soll; damit würde der Luftaustausch erheblich verbessert werden.
29.08.1995 Erörterungstermin „zu den Einwänden zum Planfeststellungsverfahren für die ICE-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main (NBS K/RM), Planungsabschnitt 31, Planfeststellungsabschnitt 31.4. Bau - km 1.116,296 - 1.121,030, Brechen (Gemarkung Niederbrechen, Oberbrechen und Werschau), Landkreis Limburg-Weilburg“ im Dorfgemeinschaftshaus Werschau; die meisten der im Planfeststellungsverfahren vorgebrachten Forderungen und Einwände werden von der Bahn zurückgewiesen, u.a. auch die Forderung der Gemeinde, die Autobahn auf einer parallelen Brücke zur ICE-Brücke über das Wörsbachtal zu führen (wie ursprünglich einmal von der Bahn selbst vorgeschlagen).
13.12.1995 Baubeginn der ICE-Neubaustrecke Köln-Frankfurt am Frankfurter-Kreuz-Tunnel; die Fertigstellung des ca. 6 Milliarden teuren Projekts erfolgt nach mehreren Verschiebungen im Jahr 2002.
Einige markante Termine des Bauprojektes (lt. Wikipedia):
Mai 2000: Beginn des Fahrbahnbaues
08.06.2000: Beginn des Oberleitungsbaus
März 2001: Beginn der Gleisverlegung
Dezember 2001: bautechnische Fertigstellung
26.09.1996 Die Bundesbahn und Vertreter der am Bau der ICE-Strecke Frankfurt - Köln teilen mit, dass die Aufträge für den 135 Kilometer langen Mittelabschnitt zwischen Siegburg und der Mainquerung im Juli vergeben worden sind und die Bauarbeiten im Oktober beginnen werden; die Planfeststellungsverfahren im Baulos C, ein ca. 50 Kilometer langer Streckenabschnitt zwischen Brechen und Flörsheim mit 750 Einzelbauwerken (u.a. sieben Tunnel und vier Talbrücken) sollen noch in diesem Jahr erlassen werden.
26.11.1996 Die Gemeindevertretung Brechen beschließt in ihrer Sitzung umfangreiche Landverkäufe für den Bau der Neubaustrecke Köln – Rhein/Main.
Feb. 1997 In einem Beitrag in "Brechen aktuell" ist zu lesen: "Gemäß § 18 (1) des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) in der Fassung des Artikels 5 des Gesetzes zur Neuordnung des Eisenbahnwesens ... vom 27.12.1993 wird der Plan für die Neubaustrecke Köln - Rhein/Main, Teilabschnitt 31.4 Gemeinde Brechen Bau-km 1.116,296 - 1.121,030 nebst 110-kV-Bahnstromleitung im Bereich der Gemeinde Brechen sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Bereich des PFA 31 einschließlich sämtlicher zugehörigen technischen Einrichtungen und der Auflagen/Schutzvorkehrungen festgestellt." Damit hat das Eisenbahnbundesamt den Planfeststellungsbeschluss für den ICE-Bau der Strecke Frankfurt - Köln Rhein/Main in der Gemarkung Brechen erlassen.
22.03.1997 Im Rahmen eines Informationsgespräch über den Stand der Bauarbeiten im Baulos C der Schnellbahnstrecke Köln-Rhein-Main (der 50 km lange Abschnitt zwischen der Gemeinde Brechen bis Raunheim) teilen Vertreter der Deutschen Bahn-AG u.a. mit, dass Planungen und Arbeiten planmäßig verlaufen; im Bereich zwischen Brechen und Bad Camberg seien die Rodungsarbeiten weitgehend abgeschlossen und die Aufgaben des Kampfmittelräumdienstes seien beendet.
30.07.1997 Im Rahmen eines Informationsgespräch über den Stand der Bauarbeiten im Baulos C der Schnellbahnstrecke Köln-Rhein-Main teilen Vertreter der Deutschen Bahn-AG u.a. mit, dass die notwendige Verlegung von Gasleitungen im Bereich Hünfelden - Brechen weitgehend abgeschlossen seien und dass im Autobahnabschnitt Frankfurt - Limburg insgesamt 25 Behelfsauffahrten und -abfahrten für den Baustellenverkehr eingerichtet werden, um einen Baustellenverkehr durch die Ortschaften zu vermeiden. Diskussion verursachen u.a. die von den angrenzenden Orten geforderten Lärmschutzmaßnahmen.
Ende Okt. 1997 In unmittelbarer Nähe der Autobahnbrücke zwischen Niederbrechen und Werschau wird die Baustelle für die Schnellbahnbrücke über das Wörsbachtal eingerichtet.
04.12.1997 Der Limburger Tunnel (Barbaratunnel) der ICE-Neubaustrecke wird getauft.
Mär. 1998 Mit einer Abholzungsaktion oberhalb des Ziegeleigeländes in Niederbrechen werden weitere Maßnahmen für den eigentlichen Bau der Wörsbachtalbrücke für die neue ICE-Strecke Frankfurt - Köln geschaffen.
Mai 1998 Im Rahmen des Baus der ICE-Strecke Frankfurt-Köln beginnt auf dem Gebiet der Gemeinde Brechen parallel zur Autobahn die Errichtung der großen Wörsbachtalbrücke.
Bautätigkeiten an der Wörsbachtalbrücke zwischen Niederbrechen und Werschau. (Foto: Ursula Königstein)
11.08.1999 Mit einem Brückenfest unmittelbar nach der großen Sonnenfinsternis gegen 16:00 Uhr wird die neu gebaute ICE-Brücke über das Wörsbachtal der Öffentlichkeit vorgestellt; über 12.000 Kubikmeter Beton und mehr als 1.700 Tonnen Stahl sind für die bis zu 25 Meter hohe und 528 Meter lange Brücke verarbeitet worden, die als erste von 18 Talbrücken der ICE-Neubaustrecke Frankfurt - Köln fertig gestellt wird.
Schnellbahnbrücken in der Gemarkung Brechen werden bis Ende August fertig sein
"Ende August sind alle Kunstbauwerke fertig", erfuhren die Mitglieder der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes von den Vertretern der Deutschen Bahn AG, als sie die ICE-Trasse auf Brecher Gemarkung vom Berger Feld bis zum Sportplatz in Werschau besichtigten. Für den 11. August sei, so Diplom-Ingenieur Peter Lauterbach und der für die Bauüberwachung zuständige Uwe Wunderlich, ein Brückenfest geplant.
Mit Kunstbauwerken sind die Brücken und Straßenüberführungen gemeint, die im Zuge des Schellbahnbaus entstehen. Das größte davon ist die Brücke, die sich bis zu 25 Meter hoch und mehr als einen halben Kilometer lang zwischen Niederbrechen und Werschau über das Wörsbachtal spannt, dem Verlauf der Autobahn folgend.
Eine wesentlich kleinere, aber in ihren Ausmaßen nicht weniger imposante Überführung entsteht über den Wirtschaftsweg in das Berger Feld, deren Rahmenbauwerk weitgehend fertiggestellt ist. Darüber wird noch ein sechs bis sieben Meter hoher Erddamm aufgebaut, um die Schnellbahntrasse notwendige Höhe zu gewinnen.
"Rohbaumäßig fertig" ist nach Aussage der Bahnvertreter die große Wörsbachtalbrücke, die auf elf Pfeilern errichtet wurde. Die sogenannte Einträgerkette besteht aus zwölf Feldern zu je 44 Metern Länge. Die Pfeiler wurden tief im Erdreich gegründet, auf jeweils zehn bis zwölf Großbohrpfählen von 1,50 m Durchmesser und 17 bis 34 Meter Länge. Insgesamt wurden 114 Pfähle verwendet.
Für den Unterbau wurden 4.400 Kubikmeter Beton verbaut, für den Überbau 7.800 Kubikmeter. 1.145 Tonnen Stahl und 292 Tonnen Spannstahl waren für den Bau nötig. Die 11 bis 20 Meter hohen Hohlpfeiler werden alle begehbar und mittels Aufzug befahrbar sein. Der rund 15 Meter breite Brückenüberbau wurde im Verfahren des Vorschubgerüstes ausgeführt.
Der Bau der Wörsbachtalbrücke sei eine interessante Arbeit gewesen, meinten die Bauleute. Sie weise sowohl Gefälle als auch eine Steigung sowie eine Kurve auf. Bei den Gründungen sowie der Verdichtung an den Aufschüttungen im Bereich der Widerläger sei ein enormer Aufwand mit aufwendigen Setzungsversuchen notwendig gewesen, um die späteren Gleisbewegungen so gering wie möglich zu halten.
Letztes Kunstbauwerk in diesem Los ist die Straßenüberführung in der Nähe des Werschauer Sportplatzes, ein etwa 50 Meter langes Rahmenbauwerk wie das im Berger Feld, jedoch etwas kleiner, mit einem Pfeiler und in der gleichen Bauweise errichtet wie die Wörsbachtalbrücke.
Diese Brücke, von der Bahn eigentlich nicht gewollt, war von der Gemeinde gefordert worden, um die Feldwegeverbindung zwischen Werschau und Niederbrechen offen zu halten, breit und hoch genug, um auch mit Mähdreschern befahren werden zu können. Das Bauwerk werde rasch fertig sein, wurde den Mandatsträgern versichert. Jetzt könne auch mit dem Weiterbau des Radweges von Werschau in Richtung Niederbrechen, den die Bahn vornehmen läßt, begonnen werden.
(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 08.07.1999, S. 04)
Brückenfest nach der Sonnenfinsternis
Mit der Eisenbahnbrücke zwischen Niederbrechen und Werschau ist die erste Brücke der ICE-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main im Rohbau fertig. Der Überbau der zwölffeldrigen Brücke über das Wörsbachtal ist komplett betoniert. Grund genug für die Deutsche Bahn AG, dieses Ereignis mit einem Brückenfest zu feiern. Dazu laden die DB-Projekt-GmbH Köln-Rhein/Main sowie die am Brückenbau beteiligten Unternehmen die Bevölkerung für Mittwoch, 11.08.1999, 16 Uhr, nur wenige Stunden nach der großen Sonnenfinsternis, zu einem Brückenfest ein.
Hierbei hat die Bevölkerung aus Brechen und Umgebung Gelegenheit, das rund 20 Meter hohe Bauwerk aus allernächster Nähe zu begutachten. Der Zutritt auf die Brücke selbst ist jedoch aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Ein Zelt wird unter der Brücke aufgestellt und für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.
Fristgericht wurde die Wörsbachtalbrücke nach Auskunft der Bauleute fertiggestellt. Mit 528 Meter ist sie die längste Talbrücke im Baulos B und die drittlängste Brücke der gesamten Schnellbahnstrecke Köln – Rhein/Main.
Die Wörsbachtalbrücke wurde im sogenannten Vorschubrüstverfahren hergestellt. dabei wird der Überbau von einer aufwendigen Stahlkonstruktion aus, der Vorschubrüstung in seiner endgültigen Lage betoniert. Das Gerüst spannt sich in der Regel ohne Zwischenunterstützung von Pfeiler zu Pfeiler.
Nach der Herstellung des ersten Überbaufeldes wird die Rüstung das nächste Feld vorgeschoben, um das zweite Feld zu betonieren. So wandert die Brückenbaustelle Feld um Feld in schwindeliger Höhe über das Tal. Bis zur endgültigen Fertigstellung der Brücke mit der seitlichen Anbindung wird allerdings noch einige Zeit vergehen.
(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 12.08.1999, S. 04)
Nach der Sonnenfinsternis die Brückenfeier
Passend zum Erlebnis des Tages, der großen Sonnenfinsternis, hatte Horst Müller, der stellvertretender Leiter der DB-Projekt-GmbH Köln-Rhein/Main, das Motto für das Fest an der Wörsbachtalbrücke gewählt: „Durch die Nacht zum Licht“. Nach zahlreichen Tunneldurchstichen und -einweihungen könne nun die Fertigstellung der ersten von 18 Talbrücken der ICE-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main gefeiert werden, stellte Müller vor den am Bau beteiligten Mitarbeitern, Nachbarn und Vertretern der Gemeinde Brechen fest. Ergänzt wurde das Himmelsspektakel durch ein höchst irdisches Schauspiel. Fast wie bestellt schoß gerade nach der Sonnenfinsternis am Fuße der Brücke einige riesige Fontäne in die Höhe: Einer der Gäste hatte mit seinem Wagen einen Hydranten umgefahren. Ob aus Begeisterung über das Verschwinden des Mondschattens oder zutiefst beeindruckt von dem Brückenbauwerk, ließ sich nicht klären.
„Der Herrgott auch in seiner Macht, schützt dieses Werk bei Tag und Nacht. In dieser Hoffnung nun zum Schluß, leer ich das Glas hier voll Genuß und werf’s zu Scherben in den Grund. Geweiht sei diese Brück’ zur Stund“, beendete Oberpolier Leo Gergen seinen Richtspruch. Für ihn war die Wörsbachtalbrücke das letzte große Bauwerk seines Berufslebens, ehe er in den Ruhestand tritt.
Für seine jüngeren Kollegen könne die Brücke eines der Glanzstücke seiner beruflichen Karriere werden, meinte Diplom-Ingenieur Hans-Georg Braun als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Kunstbauwerke Lahntal“, zu der sich vier große Unternehmen - Bilfinger und Berger, Hochtief, Holzmann und Strabag - zusammengeschlossen haben.
Mit 528 Metern Länge und bis zu 25 Metern Höhe sei die Wörsbachtalbrücke zwar die längste im Baulos B zwischen Dierdorf und Hünfelden, aber nicht die höchste, stellte Braun fest. Rund 60.000 Stunden hätten die Mitarbeiter für den Bau je nach Wetterlage geschwitzt oder gefroren und dabei großartige Arbeit geleistet. Die Brücke könne ein neues Wahrzeichen der Gemeinde Brechen werden. An dem Bau der Schnellbahnstrecke mitarbeiten zu können, sei für die Unternehmen eine große Herausforderung. Die Bevölkerung und besonders die Anwohner bat er weiterhin um Verständnis für die mit den Bauarbeiten verbundenen Belastungen.
„Der schwierigste Teil ist geschafft“, erklärte der stellvertretende Projektleiter Horst Müller. Der Baufortschritt auch an den anderen Bauwerken der Schnellbahntrasse mache ihn zuversichtlich, rechtzeitig fertig zu werden und die Strecke im Jahre 2002 in Betrieb nehmen zu können. Die Wörsbachtalbrücke, die drittlängste der gesamten Strecke zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet, sei wegen der Gefäll- und Steigungsstrecke, verbunden mit einem engen Kurvenradius, eine technische Meisterleistung.
Die Wörsbachtalbrücke sei sicher das größte, markanteste und auch teuerste Bauwerk, das bisher in der Gemeinde Brechen errichtet worden sei, führte Bürgermeister Bernhard Königstein aus, der auf die Bedeutung des Verkehrswesen für die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklung einging. Respekt müsse Ingenieuren und Handwerkern für ihre großartige Leistung gezollt werden. Allerdings werde das Projekt Schnellbahn in der Bevölkerung mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet, denn der neue Verkehrsweg bringe auch große Belastungen, zum einen durch die gewaltigen Eingriffe in Natur und Landschaft, zum anderen durch die Lärmentwicklung. Auch entspreche die jetzige Lösung nicht ganz den Vorstellungen der Gemeinde, die sich eine Öffnung des Tales durch die Führung der Autobahn über eine Bahnbrücke baugleiche Brücke gewünscht habe, wie es seinerzeit von der Deutschen Bahn AG vorgeschlagen worden sei. Jedoch sei die Querung des Wörsbachtals mittels einer Brücke besser als der zu Anfangs der Planungsphase vorgesehen Bahndamm. Er hoffe, die Bahn werde alles tun, um die Eingriffe in die Landschaft abzumildern und die Bevölkerung vor Lärm zu schützen.
Verbunden mit der neuen Bahnstrecke sei auch, so Königstein, die Hoffnung auf einen Nutzen für die Bevölkerung durch die Ansiedlung zukunftsträchtiger Betriebe und damit von Arbeitsplätzen im Bereich des ICE-Bahnhofs Limburg sowie auf Erleichterungen durch kürzere Fahrzeiten zu ihren Arbeitsplätzen.
Ein Kompliment machte der Bürgermeister den Mitarbeitern aus verschiedenen Nationen, die gemeinsam die Brücke gebaut und damit nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne einen Brückenschlag vollzogen hätten. Wenn es ihnen gelungen sei, durch die gemeinsame Arbeit zu einem besseren Verständnis füreinander zu kommen, habe die Brücke auch als Bindeglied zwischen den Menschen gedient. Später am Nachmittag nutzten viele Menschen aus Brechen und der Umgebung die Gelegenheit, das Brückenbauwerk zu begutachten, aus Sicherheitsgründen allerdings nur von unten. Der Zugang auf die Brücke war nicht möglich. Für musikalische Unterhaltung der Gäste sorgte das Blasorchester des Turnvereins Niederbrechen.
(Quelle: Inform. Informationsblatt für die Gemeinde Brechen, 19.08.1999, S. 03)
Die Wörsbachbrücke zwischen Niederbrechen und Werschau (Fotos Ursula Königstein (1), Gregor Beinrucker (2-4))
Ende Aug. 2000 Die Gemeindevertreter und Gemeindevorstände von Brechen überzeugen sich bei einer Besichtigungstour entlang der im Bau befindlichen ICE-Trasse in der Gemarkung, zu der auch ein Gang über die Wörsbachtalbrücke gehört, vom Fortgang der Baumaßnahme; u.a. werden die ersten Teile der festen Fahrbahn betoniert. Bahn-Vertreter zeigen sich zuversichtlich, dass zum Jahresende 2001 der Probebetrieb und zum Fahrplanwechsel Mitte 2002 der reguläre Betrieb aufgenommen werden kann.
Juli 2001 Beginn der Messfahrten auf der ICE-Trasse mit einer Diesellok.
08.10.2001 Beginn der Erprobungsfahrten auf der ICE-Trasse mit ICE-Loks.
03.12.2001 Beginn von Testfahrten auf der ICE-Strecke zwischen Frankfurt-Flughafen und dem Bahnhof Montabaur mit "Kurz-ICEs", wobei Geschwindigkeiten von 330 Stundenkilometer erreicht werden; Ziel ist es, die Betriebstauglichkeit der Strecke nachzuweisen.
08.01.2002 In einer Testfahrt durchfährt ein ICE erstmals die gesamte ICE-Strecke.
03.02.2002 Die Feuerwehren der Gemeinde Brechen erhalten neue Aufgaben im Bereich der ICE-Strecke.
Jul. 2002 Bis auf kleine Lücken, die bis Jahresende geschlossen werden sollen, ist der Lärmschutz-Erdwall mit zusätzlichen Lärmschutzelementen entlang der ICE-Trasse bei Werschau fertig gestellt; damit wird Werschau von dem von der Schnellbahn und Autobahn ausgehenden Lärm abgeschirmt.
25.07.2002 Symbolische Eröffnungsfahrt auf der ICE-Strecke Frankfurt-Köln: Morgens kurz nach 06:00 Uhr fährt der erste ICE durch das Gemeindegebiet.
Unter dem Motto "Die Bahn schenkt Ihnen eine Stunde" erfolgte die symbolische Eröffnung der Strecke. Zwei Sonderzüge in Doppeltraktion befuhren zur Eröffnung die Strecke parallel von Frankfurt Hauptbahnhof nach Köln Hauptbahnhof. An Bord des einen Zuges waren etwa 700 Ehrengäste, darunter Kurt Bodewig, Roland Koch, Wolfgang Clement, Hartmut Mehdorn und Doris Schröder-Köpf. An Bord des anderen Zuges waren 700 Leser einer Boulevardzeitung, die Fahrkarten für den Sonderzug gewonnen hatten. (Quelle: Wikipedia)
1.08.2002 Der ICE-Verkehrshalt in Limburg wird zusammen mit der Neubaustrecke offiziell in Betrieb genommen. Mehr als 2.000 Menschen, darunter auch der Hessische Ministerpräsident Koch, verfolgen um 06:12 Uhr die Ankunft des ersten ICE 3 am frühen Morgen, der sechs Minuten vor der fahrplanmäßigen Ankunft in Limburg eintrifft.
15.12.2002 Mit dem Fahrplanwechsel wird die vollständige Inbetriebnahme der ICE-Strecke Frankfurt - Köln erreicht.
Anfang Dez. 2006 Am Weingartenberg in Werschau, in der Nachbarschaft des Werschauer Sportplatzes, werden auf rund 14,5 Hektar Fläche Bäume und Sträucher gepflanzt; die Waldpflanzung ist u.a. eine Ausgleichsmaßnahme der Deutschen Bahn für den Bau der ICE-Trasse.
10.02.2015 Schwerer Unfall mit einem Schwertransporter auf der A 3 im Werschauer Loch, wobei auch die ICE-Brücke berührt wird; bei den einige Tage später erfolgenden Bergungsarbeiten muss auch der Strom der Oberleitung der ICE-Trasse abgeschaltet und damit der ICE-Zugverkehrs vorübergehend eingestellt werden.
25.11.2023 - 02.12.2023 Die ICE-Strecke Frankfurt - Köln wird für Gleis- und Weichenerneuerungen komplett gesperrt, darüber hinaus werden Tunnelarbeiten sowie Arbeiten an den Lärmschutzwänden durchgeführt.
16.07.2024 - 12.08.2024 Wegen notwendiger Instandhaltungsarbeiten ist die ICE-Schnellverbindung Köln-Rhein/Main komplett gesperrt; auf einem 70 km langen Streckenabschnitt werden Gleise und 13 Weichen erneuert. Ein Busersatzverkehr ist eingerichtet (auch zum ICE-Halt Limburg-Süd).
Die ICE-Strecke Frankfurt-Köln im Bereich der Gemarkung Brechen (Fotos: Ursula Königstein (2-3), Gregor Beinrucker (1)
Die Angaben sind der Datenbank der OnlineChronikBrechen entnommen, in der auch die einzelnen Quellennachweise hinterlegt sind.
Siehe auch wikipedia-Betrag „Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main“
Hinweise zu weiteren Themenbeiträge zur Eisenbahngeschichte der Gemeinde sind unter „1875 – 2025: 150 Jahre Eisenbahn in der Gemeinde Brechen“ zu finden.
Quelle: Arbeitskreis Historisches Brechen, 23.11.2025, -GB-
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