Historischer Dorfrundgang durch Werschau

Auf den Spuren der 775-jährigen Geschichte ihres Dorfes sind rund 300 Werschauer und ihre Gäste am Freitag, 16.07.2010 an einem strahlenden Sommerabend unterwegs. Der historische Rundgang durch Werschau, den der Archivkreis der Gemeinde Brechen vorbereitet hat, bildet den Auftakt der 775-Jahr-Feier.

Die während des Rundgangs vermittelten Daten und Fakten sind in Heft 8 der Schriftenreihe Gemeindearchiv Brechen zusammengefasst worden und werden nachfolgend in Auszügen wieder gegeben.

Brechener Bürgermeister und Schirmherr der Festtage Werner Schlenz

Werner Schlenz, selbst Einwohner Werschaus, eröffnet den Abend auf dem Platz vor dem Dorfgemeinschaftshaus. In seiner Rede steigt er gleich in die Geschichte ein und berichtet von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1235 des Ortes „Werse“, Vorläufer des heutigen Werschau. Menschliche Ansiedlungen gibt es hier aber schon um 3000 bis 800 vor Christus, wie Ausgrabungen belegen. Seiner Lage im so genannten „Goldenen Grund“, dem Landstrich, in dem sich im Sommer goldene Ährenfelder auf fruchtbarem Boden im Winde wiegen, verdanken ihre Besitzer reiche Ernteerträge. Das Leben der Ortseinwohner ist geprägt von einem tiefverwurzelten Glauben, von fleißiger Arbeit und vielen Freizeitaktivitäten in diversen Vereinen.

Die Werschauer Schule

Gerhard Beck, letzter Lehrer und Bürgermeister der Gemeinde Werschau, berichtet vom erbärmlichen Dasein der alten Schule im Laufe der Zeit. Ende 1969 wird die Grundschule geschlossen und die Kinder besuchen die Schule in Niederbrechen, das alte Schulgebäude wird abgebrochen und an dessen Stelle ein Kindergarten errichtet.

Das Neuste von gestern: der „Schellenmann“

Der Schellenmann war früher jemand, der alle offiziellen Informationen in der Gemeinde verbreitete.
Beim Rundgang verkündete Stefan Göbel einiges aus dem „Vermeldebuch“ der Gemeinde:
Beispielhaft:
„Ein fürchterliches Hagelwetter vernichtete am 16.07.1905 fast die ganze Obst- und Getreideernte in Werschau. Hagelkörner in der Stärke von Vogeleiern zertrümmerten viele Fensterscheiben. Wer von den Bauern nicht versichert ist, kann bis 20.07.1905 beim Bürgermeister einen Antrag auf Beihilfe durch das Land stellen“
„- Es wird in Erinnerung gebracht, dass die Be- und Entwässerungsgräben zum 05.11.1906 gereinigt sein müssen, sowie alle alten Haufen müssen auf den Wiesen verbaut oder nachgeschafft sein. Widrigenfalls wird mit drei Mark bestraft und die Arbeit auf des Eigentümers Kosten anderweitig vergeben“,
Da die neue Ortsrufanlage der Gemeinde 1963 fertig gestellt wird, hat die Gemeinde Werschau den Vertrag als Schellenmann aus Kostengründen nicht mehr verlängert. Ansagen werden ab diesem Zeitpunkt vom Bürgermeister Göbel persönlich gemacht.

Dokumentation von Besonderheiten

Im anschließenden Rundgang durch Werschau werden an verschiedenen Stationen „interessante Hintergrundinformationen aus der 1985 erschienenen Publikation von Hellmuth Gensicke „Aus der Geschichte von Werschau“ vorgetragen. Auch werden die alten Straßen, und Gebäude in den Fokus gerückt, so unter anderen die „Obber- unn die Hinnergass“, „die Grimm“ (alte Fuhrmannsschänke) und das alte Schulhaus gegenüber der Kirche.

Auf Infotafeln, die der Arbeitskreis Historisches Brechen zusammengestellt hat, sind Besonderheiten zusammengestellt.

775 Jahren Werschau - Stationen der Geschichte

Beim Rundgang wird an insgesamt 5 Stationen die Situation in Werschau hinsichtlich Gemeinde, Kirche, Schule, Gewerbe sowie Besonderheiten dargelegt:

1510: Werschau vor 500 Jahren

1760: Werschau vor 250 Jahren

1860: Werschau vor 150 Jahren

1910: Werschau vor 100 Jahren

Die Infos sind auch nachzulesen im Heft 8 der Schriftenreihe Gemeindearchiv Brechen (S. 6-9).

Beispielhaft die Situation (entnommen aus den Heft 8):

1960: Werschau vor 50 Jahren
Die Gemeinde Werschau gehört seit 1945 zum Land Hessen und zum Kreis Limburg und später (1974) zum neu gebildeten Landkreis Limburg-Weilburg.
Werschau hat Ende 1960 insgesamt 526 Einwohner. Die Ortsstraßen von Werschau werden 1960 weiter ausgebaut. Es gibt insgesamt 146 Wohngebäude: Werschau wächst aber weiter. So werden nach 1964 die Baugebiete „An der Nauheimer Straße", „Über dem Eufinger Weg" und „Verlängerte Hessenstraße" erschlossen.

In den Jahren des Wiederaufbaus wurden von der finanzschwachen Gemeinde die Ortsstraßen 1949 und 1961 ausgebaut und 1953/54 das Wörsbachufer befestigt. Zusammen mit Mensfelden, Nauheim und Neesbach wurde ein Gemeinschaftswasserwerk gebaut und ein Wasserzweckverband gegründet, der den Bau einer Wasserleitung 1956 ermöglichte.

Da kein Saal für sportliche und kulturelle Veranstaltungen und für die Vereine zur Verfügung stand, wird ein Dorfgemeinschaftshaus errichtet, das Anfang 1968 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Im Jahre 1970 beginnt die Anpflanzung eines Grüngürtels gegen die Autobahn und mit dem Umbau des damals leerstehenden Schulanbaus zu einem Kindergarten.

Bürgermeister ist Peter Josef Arnold (02.08.1952-01.12.1961).
1. Beigeordneter ist Reinhold Wenzel und 2. Beigeordneter Franz Gernandt.
Gemeindevertreter sind Albert Trost, Bernhard Ricker, Heinrich Schmitt, Josef Trabusch, Josef Höhler, Josef Reh, Josef Klein, Eduard Ricker und Walter Göbel.
Gemeinderechner ist Albert Schmidt.

Die Schule, seit 1883 im Neubau am Dauborner Weg, wird angebaut und am 26.10.1952 eingeweiht. Schulleiter ist Rudolf Otto; Lehrer sind Rudolf Otto und Ernst Streubel. Insgesamt besuchen 59 Kinder die beiden Klassen.

Die Pfarrei entschließt sich 1960, den Innenraum (letztmalig 1935 getönt) der Pfarrkirche zu restaurieren, da die Wände von dem oft rauchenden Koksofen angeschwärzt sind. 50 % der entstandenen Kosten werden durch Sammlungen innerhalb der Gemeinde Werschau aufgebracht.
Pfarrer ist Erich Gelhard (01.06.1952-+ 26.09.1963), Organist Hermann-Josef Ricker (bis 15.03.1967), Küsterin Gertrud Trabusch (bis 01.05.1967), Totengräber Julius Fachinger (seit 1939), Kirchenrechner Peter Josef Arnold.

Handwerksbetriebe: Schmiede: Artur Schmidt, Wagnerei: Alois Müller, Schreinerei: Philipp Saufaus, Schuhmacherei: Josef Jung, Sattler und Polsterer: Franz Weidenbusch, Autoreparatur und Tankstelle: Bruno Urban.
Kolonialwarenläden: Albert Schmidt, Heinrich Edel, Adalbert Beck.
Gastwirtschaften: „Zur Post“ (Besitzer Lina Urban), Antonia Jung sowie die „Grimm“ (Besitzer Heinrich Edel). Bis ca. 1955 gab es noch die Gastwirtschaft „Zum grünen Baum“ (Besitzer Karl Rörig) sowie „Theobald“.
Heinrich Schila ist Inhaber der Werschauer Mühle. Peter Josef Arnold betreibt einen Geflügelaufzuchtbetrieb. Anton Göbel betreibt die Poststelle.

Es gibt 2 Vereine:
- Männergesangverein: Präsident Johann Jeck, Dirigent Paul Otto
- Freiwillige Feuerwehr: Wehrführer und 1. Vorsitzender Phillip Saufaus. Die Geräte der Feuerwehr stehen im alten Spritzenhaus am Wörsbach (erbaut 1954).

Was ist los in Werschau?
- 1960 stellt die Gemeinde 172 Lohnsteuerkarten aus; 31 Hundehalter bezahlten 360,- DM Hundesteuer.
- Mitglieder des Männergesangvereins „Frohsinn“ Werschau führen das Stück „Reservist Linsemann“ im Saalbau Edel auf.
- Am 06.06.1960 nehmen ca. 200 Jungbauern beim traditionellen Pfingstritt teil.
- Am 08.12.1960, dem Fest Maria Empfängnis, feiert das ganze Dorf mit Pfarrer Erich Gelhard dessen 25-jähriges Priesterjubiläum im Saalbau Edel.

Stockbuch 1882 von Werschau

Das Stockbuch wurde im Herzogtum Nassau mit dem Gesetz betreffend die ‚behufs Eintrags dinglicher Rechte an Immobilien zu führenden öffentlichen Bücher‘ vom 15. Mai 1851 neu organisiert. Am 25. Februar 1852 wurde eine Verordnung über die Vollziehung dieses Gesetzes und am 31. Mai 1854 eine Instruktion für die Landoberschultheißen und Feldgerichte erlassen.
Die Stockbücher enthielten nun einheitlich eine Aufstellung aller Grundstücke mit Eigentümern und allen darauf lastenden Grundlasten.
Wolfgang Frank hat das Stockbuch von Werschau ausgewertet und die Grundstücke grafisch dargestellt.

Spritzprüfung Fladerpumpe

Die Feuerwehr Werschau schafft bereits im ersten Jahr ihres Bestehens 1927 eine neue Motorspritze mit 420 Liter Minutenleistung von Flader (Jöhnstadt) für rund 3.197 RM an. Die erste Druckfähigkeit wird an der Kirche ausprobiert. Das Wasser wird aus dem dortigen gemeindeeigenen Brunnen gepumpt. Ob dabei festgestellt wurde, dass der Strahl der neuen Spritze über den Kirchturm (Kirchturmhöhe 28,4 m) reicht, ist äußerst umstritten, kann aber durch eine eindrucksvolle Demonstration der Feuerwehr an der Kirche anlässlich des Historischen Rundgangs am 16.07.2010 bestätigt werden.

Quelle: Chronik Freiwillige Feuerwehr Werschau, siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 12 unten.

Klingendes Werschau: Orgeln der Kirche St Georg

1840

Unter Pfarrer Bernhardin Hilb wird am 06.08.1840 eine mechanische Barockorgel für 760 fl. von Orgelbauer Christian Friedrich Voigt zu Igstadt gekauft.

1841

An Weihnachten spielt die neue Orgel das erste Mal während eines Gottesdienstes.

1929

Die Orgel wird von K. Horn für 164 M repariert.

1932

wird die Orgel für 140 M einer gründlichen Reinigung und Reparatur unterzogen.

1942

„Am 31.01. traf die erste Sendung der neuen Orgel ein. Die Aufstellung erfolgte vom 02.02. –07.02. Ende März kamen in 4 Kisten die Orgelpfeifen an und wurden von Orgelbauer Hardt in Möttau aufgestellt und intoniert in der Karwoche. So konnte die neue Orgel im Hl. Osterfest geweiht und zum ersten Male zur Freude aller Pfarrkinder gespielt werden vom Organisten Lehrer Wolf, der die alte Orgel 37 Jahre gespielt hatte.

Dieselbe hatte gerade nach 100 Jahren ihren Dienst beendet. In der Osterwoche vollendete Herr Orgelbauer Ed. Wagenbach von Limburg z. Z. im Heeresdienst zusammen mit seinem Vertreter Hardt und Herrn Domkapellmeister Joh. Pabst von Limburg die Intonation. Die neue Orgel wurde von der Firma Aug. Laukhuff in Weikersheim i. Württemberg geliefert in bestem Material aus Friedenszeit. Sie hat 12 Register, von denen einige aus der alten Orgel übernommen und umgearbeitet wurden. Die Gesamtkosten kommen auf 6000 M und wurden durch freiwillige Gaben und Spargelder aus Kollekten aufgebracht.“

1964–1968

Erneuerung von 2 Registern durch die Firma Deil.

1972

Wegen des Umbaus der Kirche wird die Orgel durch die Firma Deil ausgebaut und zwischengelagert.

1975–1983

Wiedereinbau der alten Orgel in der neuen Kirche.

18.12.1983

Einweihung der von der Firma Anton Deil umgebauten Pfeifenorgel unter Mitwirkung des Kirchenchors.

1990

Die Orgel ist nicht mehr funktionsfähig und kann nicht mehr repariert werden. Eine elektronische Orgel dient als Behelf.

18.12.1993

Einweihung der neuen, von den Gebr. Oberlinger, Orgelbau GmbH & Co. KG gebauten neuen Orgel.

Quelle: Pfarrchronik Werschau, zusammengestellt von Ullrich Jung, siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 13

Post in Werschau

Bis 1923

Postzustellung von Niederbrechen.

Ca. 1924 -1934

In einer Sitzung am 03.02.1924 befasst sich der Gemeinderat mit der Bereit-stellung von Mitteln zur Erhaltung der hiesigen Posthilfsstelle. Es ergeht der Beschluss: Für die Posthilfsstelle wird ein Betrag bewilligt, darüber wird mit Frau Urban verhandelt. Lina Urban geb. Wassum betreibt die Posthilfsstelle in der Gaststätte „Zur Post“.

Bis zum Krieg

Umzug der Post in das Haus Anton Göbel, im Haus Obergasse 13 (heute Hessenstr. 1).

Nach dem Krieg

Umzug der Post in das Haus Willi Jung, Hessenstr. 7. Die Poststelle war zu-nächst im Wohnhaus untergebracht, später in einem Anbau.

31.12.1980

Verabschiedung der Posthalterin Anneliese Jung.

Postamtliche Bezeichnung der Gemeinde „Brechen“.

Da die Zustellung der Post mit Wirkung vom 01.01.1981 für den Ortsteil Werschau (Brechen 3) von Niederbrechen (Brechen1) aus durchgeführt wird, lautet die postamtliche Leitangabe für alle 3 Ortsteile der Gemeinde Brechen: „6259 Brechen“ ohne Zusatz von Unterscheidungsziffern. In Werschau bleibt die Poststelle als Annahme–Poststelle bestehen.

02.01.1981

Umzug der Postfiliale von der Hessenstr. 7 (Anneliese Jung) in die Hessenstr. 35 (Irene Jung).

25.11.1995

Schließung der Postfiliale in der Hessenstr. 35.

2003

Keine Postfiliale in Werschau.

2003 –04.11.2004

Postagentur bei Susanne Enders (Susannes Laden).

Ab 04.11.2004 -

In Werschau gibt es nur noch einen Post-Briefkasten, alle anderen Postgeschäfte müssen die Bewohner in den Nachbarorten erledigen

Quelle: Arbeitskreis Historisches Brechen, zusammengestellt von Ullrich Jung, siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 28

Der technische Fortschritt

Auto

Karl Rörig, Josef Arnold (1936), Theobald (nach dem Krieg), Urban (nach dem Krieg)

LKW

Firma Rörig.

Schlepper

Georg Hilfrich (Ernst Trabusch?) Ende der 1950er.

Elektrischer Strom

Im Herbst 1913 werden die ersten Maste für die Lichtleitungen gesetzt. Fertigstellung Frühjahr 1914 zunächst mit 120 V.

Nach dem Krieg erfolgt dann die Umstellung auf 220 V.

Wasser

Am 01.05.1958 läuten nach dem Mittagessen so ungefähr um 13 Uhr alle Glocken der Werschauer Kirche und künden durch ihren festlichen Klang an, dass die neue Wasserleitung nach Werschau in Betrieb genommen ist und dass das Wasser zum ersten Mal vom Hochbehälter nach Werschau läuft.

Gas

Am 7.10.1978 wird in Brechen die Gasversorgung aufgenommen.

Telefon

Gasthaus ”Zur Post” als öffentliche Telefonstelle.
Wenn ein Werschauer Bürger nachts dringend telefonieren musste, so hat er mit einer langen Stange ans Fenster von Urbans geklopft.

Fernsehen

In England wird am 02.06.1953 Königin Elisabeth II gekrönt.
Dieses Ereignis können Werschauer Bürger erstmals live im Fernsehen bei der Familie Schila miterleben.

Kabelanschluss

Inbetriebnahme am 13.01.1987. Vier Orte des Goldenen Grundes - Dauborn, Gnadenthal, Kirberg und Werschau - können zunächst fünf TV-Pro-gramme (später 7) über Kabel empfangen. Neun Rundfunkprogramme kamen dazu, davon acht in Stereoqualität.

Quelle: Arbeitskreis Historisches Brechen, zusammengestellt von Ullrich Jung; siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 25. 

Werschauer Frauen: Die Rolle der Familie in der Landwirtschaft

Im Hof von Albert Schmitt berichtet die Tochter Christel:

Großmutter: Die Oma hat gekocht und im Stall beim Füttern geholfen. Mit 50/60 Jahren waren die Frauen schon  alt. Die Frauen trugen auch überwiegend dunkle schwarze Kleidung. Nach einem Sterbefall wurde lange schwarze Kleidung getragen und je näher verwandt, desto länger. So kann man sich vorstellen, dass die Großmütter fast nur schwarz trugen.

Eltern: Es lebten früher 3 – 4 Generationen unter einem Dach mit einem gemeinsamen Haushalt. Die Eltern schliefen teilweise im gleichen Bett.

Als Matratze diente ein Strohsack/Strohmatte. Der Strohsack wurde im Herbst und Frühjahr ausgewechselt. Er war mit Hafer- oder Kornstroh gefüllt. Auf Haferstroh schlief man besser, das Kornstroh hat länger gehalten, war aber härter. Die Matratze lag auf Brettern. Sprungrahmen gab es erst viel später.

Das Kopfkissen, „Pehl“ genannt“ war ca. 0,40 x 0,50/0,60m breit und mit Gänsefedern gefüllt.

Das Betttuch war aus grob gewebtem Leinen und wurde ganz früher teilweise selbst gewebt. Das Betttuch wurde aus 2 Teilen zusammengenäht. Später wurde auch beim Versandhaus „Witt“ oder bei fliegenden Händlern die Wäsche gekauft.

Am Bach wurde die Wäsche gewaschen und gebleicht. Sie wurde mit Wasser aus dem Bach begossen.

Die junge Frau brachte als Mitgift Land (Scholle), Aussteuer und Vieh mit. Es wurde schon gerne gesehen, wenn „Land zu Land“ kam und „Sack bei Sack“, „dicke Bauern zu dicke Bauern“. Heute würde man sagen „Geld bei Geld. Aber auch unter den Handwerkern wurde der „Stand gewahrt“.

Beim Heiraten wurde in der Familie bei den heiratsfähigen Mädchen vorne angefangen, d.h. die ältere Tochter heiratete zuerst. Natürlich gab es auch Ausnahmen.

Die Frau war abhängig. Sie hatte keine sozialen Absicherungen. In der Großfamilie lebten auch die Ledigen, Männer wie Frauen. Sie arbeiteten auf dem Feld und zu Hause mit und wurden mitverpflegt.

Wenn eine junge Frau z.B. im Kindsbett starb, und es war niemand da, der den Säugling versorgen konnte, so kam er zu einer Tante, die ihn aufzog. Nach 2 Jahren kam er zurück

in die Familie. Die jungen Mädchen haben schon mit 13/14 Jahren den Haushalt geführt, wenn die Mutter schon früh gestorben ist.

Die Frau blieb daheim. Die Frauen besuchten aber auch die Nähschulen (um 1900) in Niederbrechen und Lindenholzhausen.

In Werschau gab es keine sogenannten Großbauern. Es wurde untereinander geholfen, wenn es irgendwie ging, ein gegenseitiges Helfen. Auch die Frauen von den Arbeiterfamilien halfen in der Landwirtschaft aus.

Quelle: Archiv-Gesprächskreis Werschau, teilweise dem Schriftenreihen-Heft 8, S. 21 entnommen.

Bilderausstellung „Werschauer Frauen“

Der Arbeitskreis historisches Brechen hat einige zufällig ausgewählte Bilder von Frauen zu einer Ausstellung zusammengefasst, anbei 2 Bilder:

Werschau sportlich:

Werschauer Turnverein

Kurzgefasste Geschichte von Werner Mais

Der Turnverein Werschau wurde am 08.08.1908 von 28 überwiegend jungen Männern gegründet.

Mitglied im Aargau, IX. Mittelrheinkreis der Deutschen Turnerschaft.

1910 beim 2. Gauturnfest in Beuerbach wurde der Turnverein 2. im Stafettenlauf und 3. beim Tauziehen.

Im 1. Weltkrieg von 1914 – 1918 sind 8 Mitglieder gefallen.

Der Turnverein stiftete eine Gedenktafel, eine Holzschnitzerei, die am 21.06. 1921 in der Kirche angebracht wurde.

Der Turnverein richtete 1921 das Gauturnfest des Aargaues aus mit einem Überschuss von 5 139,35 Mark in der Vereinskasse.

Der Turnverein wird 1922 Gaumeister im Schlagball.

Beim 31. Kreisturnfest des IX. Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft 1922 in Aschaffenburg wurde Philipp Saufaus im Zwölfkampf, Unterstufe, 46. unter 872 Teilnehmern. Georg August Müller nahm 1923 am Deutschen Turnfest in München teil und wurde 24. Sieger. Beim 32. Kreisturnfest in Gießen 1925 wurde er 35. unter 418 Bewerbern.

1934 beim 1. Kreisturnfest des XII. Gaues Nordhessen in Bad Ems wurde Josef Höhler 18.

Ab 1935 ruhte der Turnverein.

Josef und Bruno Müller starteten nach dem 2. Weltkrieg beim III. Heidebergfest 1949 in Hahnstätten. Bei der letzten Bestandsmeldung an den Landessportbund Hessen im Jahre 1949 wurden 69 Mitglieder, darunter 9 Ehrenmitglieder, gemeldet.

Ausführliche Geschichte in Schriftenreihe Gemeindearchiv Brechen Heft 4 „Turnverein Werschau – gegründet 1908. Ein Beitrag zur Geschichte von Werschau“ (Werner Mais)“

Spielvereinigung Werschau

Sie wurde 1919 gegründet.

An Dokumenten liegen vor: der Beschluss der Gemeindevertretung vom 26.07.1922 bezüglich der Regelung der Spielplatzfrage sowie der Beschluss vom 30.06.1924, dem Fußballclub 10 M aus Gemeindemitteln zuzuweisen.

Im Vertrag mit der Zivilgemeinde vom 20.10.1924 werden dem Turnverein einerseits sowie andererseits der Spielvereinigung Werschau die von der Domänenverwaltung gepachteten Äcker als Spielplatz zur Verfügung gestellt. Unterschrieben wurde der Vertrag von Gisbert Kraus, Vorsitzender des Turnvereins, und Kaspar Wolf, Vorsitzender der Spielvereinigung.

Dem Festbuch „75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Werschau 2002“ entnehmen wir:

Die Spielvereinigung Werschau feiert am 11.08.1929 das 10-jährige Bestehen mit einem Festzug, einem Feuerwerk im Oberbrecher Graben und anschließendem Tanz im Saalbau Urban.

Die Spielvereinigung soll 1930 ihre Aktivitäten eingestellt haben.

zusammengestellt: Werner Mais, siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 12

Werschau: Anschluss an die große weiter Welt

Von den Planungen, Werschau durch einen Eisenbahnanschluss mit der Welt zu verbinden, kann nachgelesen werden unter: www.chronik-brechen.de/1912-00-00-lokalbahn-niederbrechen-kirberg

Werschau: Weltoffen: Freundschaft Werschau – Courcy

Am 27.06.1976 weilten unter der Leitung von Bürgermeister Kramm 14 Personen aus Werschau zum ersten Mal in unserer Partnergemeinde Courcy bei Reims in der Champagne.

Informationen über diese Freundschaft sind in der Chronik Brechen nachzulesen z.B. unter:

www.chronik-brechen.de/1976-06-26-wrs-besuch-aus-courcy

www.chronik-brechen.de/1977-05-28-wrs-courcy

www.chronik-brechen.de/1979-08-00-wrs-courcy

Siehe auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 23

Klingendes Werschau: Werschauer Lied

Das Werschauer Lied (nach der Melodie „Das Wandern ist des Müllers Lust)“, getextet von Rosi Darda, wird während des Rundgangs angestimmt:

1. Wo ist der Platz auf dieser Welt, wo es uns allen gut gefällt? - in Werschau. Wo wird am Samstag Gass’ gekehrt, wo ist das Leben lebenswert, wo ist das Dasein nicht verkehrt? - in Werschau, in Werschau.

2. Hier macht das Leben uns viel Spaß, hier trifft man sich noch auf der Straß’ - in Werschau. Hier wird mancher hingebor’n und mancher hat sein Herz verlor’n und seine Liebste sich erkor’n - in Werschau, in Werschau.

3. Hier steht die Kirche noch am Platz, hier fand so mancher seinen Schatz - in Werschau. Hier wird manches Märchen wahr, hier ging man hin zum Traualtar und machte alles klar - in Werschau, in Werschau.

Quelle: NNP, 20.07.2010, siehe „auch Schriftenreihe-Heft 8, S. 35

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